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Rund um die Uhr da sein.

Seit sechs Jahren betreut D. Brückner seine demente Ehefrau. Er fühlt sich im Stich gelassen [Quelle WAZ, Essen Süd, 19.02.2009, von Kristin Skorberne]

Essener Süden. Das Elend, das sich in Dieter Brückners Wohnung abspielt - man kann es von draußen nicht sehen, so staubig sind die Scheiben inzwischen. Im Leben mit einem dementen Menschen bleibt selten Zeit zum Fenster putzen. Seit sechs Jahren leidet Brückners Frau an Demenz. Seit sechs Jahren betreut er sie rund um die Uhr. In nur sechs Jahren hat sich alles verändert. "Es fing damit an, dass sie nicht mehr alleine einkaufen konnte und ständig ihr Geld vergaß", berichtet der Ehemann. Heute erkennt die 71-Jährige ihre eigenen Kinder nicht mehr wieder.

Sie isst nicht, starrt stundenlang nur auf den Fernseher, selbst dann, wenn dieser gar nicht eingeschaltet ist. Auf 41 Kilo ist sie inzwischen abgemagert. Dieter Brückner muss um jeden Bissen und um jeden Schluck Wasser, den sie zu sich nimmt, kämpfen. Das Rauchen hat sie jedoch nicht aufgegeben. "Manchmal zündet sie sich zwei Zigaretten gleichzeitig an und wirft diese dann glühend hinters Sofa", berichtet der verzweifelte Ehemann. Aus Angst vor einem Brand hat er Feuermelder installiert und geht kaum noch aus dem Haus.

Seine Christa in ein Heim "abzuschieben", wie Brückner es nennt, kommt für ihn trotz allem nicht in Frage. "Wir leben hart an der Grenze, aber ich halte zu ihr". Auch Pflegediensten will er sie nicht anvertrauen. Es gehe schließlich nicht darum, sie zu füttern und zu waschen, sondern um eine 24-stündige Betreuung. Nach einer ärztlichen Untersuchung wurde Christa Brückner in Pflegestufe Eins eingeteilt. Zu niedrig, wie der Ehemann findet. 90 Minuten gesteht man ihm täglich für die Pflege seiner Frau zu. 90 Minuten für das Waschen, Be- und Entkleiden, Kämmen, Füttern und die Hilfe beim Toilettengang. "Das ist nicht angemessen. Ich arbeite doch rund um die Uhr", betont Brückner.

Manchmal zieht sich seine Frau nachts selbst an und will das Haus verlassen, einmal stieg sie auf das Dach des benachbarten Hochhauses. Sie allein zu lassen ist gefährlich.

"Dieter, du gehst kaputt", sagen seine Freunde. Er solle mal wieder in den Urlaub fahren - so wie früher. Genau das und "einfach mal den Alltag vergessen, das ist ein großer Wunsch für den gelernten Stahlbauschlosser. Weite Sprünge kann man von knapp 1000 Euro gemeinsamer Rente jedoch nicht machen. Die 200 Euro Pflegegeld machen die Situation nicht viel besser. "Ich wünsche mir, dass meine Frau zumindest in Pflegestufe Zwei eingestuft wird", sagt der Ehemann, der sich chronisch überfordert fühlt. Seine tägliche Leistung müsse endlich auch finanziell anerkannt werden. Das Leben mit seiner Frau werde so zwar nicht glücklicher, aber zumindest ein wenig einfacher.

 


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